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Modifikationen

Umbau meines Fiat 600 auf einen 903cccm Motor

Da die originalen 29 PS das Auto doch in vielen Fällen nicht annähernd so gut voran bringen, wie man das heutzutage gewohnt ist, entschloss ich mich auf einen stärkeren Motor umzubauen. Da etliche Recherchen im Web das im Oldtimer Markt beschriebene Prozedere „Fiat 600 Motor raus, großer (Abarth) Motor rein“, als extreme Vereinfachung entlarvten, entschloss ich mich mangels geeigneter Räumlichkeit und fehlender Erfahrung diesen Umbau durchführen zu lassen. Als möglicher Partner für den Umbau wurde mir mehrmals Hilgers Motorsport in Wegberg empfohlen, da man dort selbst schon lange mit Fiat und anderen italienischen Fahrzeugen Motorsport betreibt und auch schon mehrere Abarth-Umbauten incl. Motortuning durchgeführt wurden. In einem ausführlichen Gespräch mit Herrn Hilgers über meine Vorstellungen und Erwartungen an den Umbau, erläuterte er mir die durchzuführenden Änderungen. Dabei kamen wir sehr schnell auf einen gemeinsamen Nenner, so dass ich dann mein Auto Anfang Juni 2006 in Wegberg ablieferte.

Vereinbart wurde :

Umbau auf einen komplett überholten Motor  903 ccm mit ca. 55-58 PS( Zylinderkopf und Ansaugkanalbearbeitung, speziell angefertigter straßentauglicher Sport-Nockenwelle, HP70 Abarth Ventildeckel und Vergaser

  • Kühlerumbau auf Hochleistungskühlernetz und saugenden Elektrolüfter
  • Scheibenbremsen vorne vom 850er Fiat mit neuen Scheiben, Belägen, überholten Bremssätteln und Achsschenkeln und Radlagern
  • Einbau von 3-Punkt Automatik Gurten mit Befestigungspunkten
  • Dass, wie schon oben erwähnt , solch ein Motorumbau nicht als kleines Wochenendprojekt durchgeführt werden kann, veranschaulicht alleine schon die Liste der benötigten Teile und Hauptarbeiten( teils extern vergeben ).

    Rumpfmotor 903 ccm

  • externe komplette Überholung durch Fachbetrieb( u.a. Kurbelwelle schleifen und neu lagern, neue Kolben mit Ringen( 65,60er Bohrung ), Kurbelwelle bohren für Spezial-Lagersitz Getriebwelle
  • Optimierung der Ansaugkanäle Zylinderkopf und Ansaugbrücke und Übergänge, Ventile bearbeiten und einschleifen
  • Ventildeckel Abarth HP70
  • Weber Vergaser 32 DMTR
  • Abarth Sportluftfilter
  • Sportnockenwelle HMT GK 272°
  • Ölfilter
  • Verteilerkappe, Kontakte, Kerzen
  • Kühlerumbau auf Hochleistungs-(Tropen)netz ( extern )
  • 2,5l Frostschutz
  • Elektrolüfter
  • Befestigungen für Lüfter
  • Thermoschalter für Lüfter
  • Motordichtsatz
  • Wasserpumpe
  • Kupplungsscheibe
  • Kupplungsautomat
  • Angefertigter Adapter für Kupplung
  • Radlagersatz
  • Thermostatgehäuse mit Dichtung
  • Thermostatdeckel
  • Thermostat mit Dichtung
  • 1 Keilriemen
  • Kühlerschlauch flexibel 55cm lang
  • Kühlerformschlauch
  • 3,75l Motoröl
  • 2 neue Bremsschläuche vorne( ungeplant, die alten waren gequollen )
  • diverse Dichtringe
  • 2 Bremszangen Fiat 850 komplett überholt
  • Achsschenkel li+re überholt
  • 2 Bremsscheiben
  • Radlagersatz
  • Bremsklötze
  • Achsvermessung( extern )
  • Diverse Kleinteile
  • 1 Abarth Replika Sportauspuff mit Fächerkrümmer( Beistellung von mir )
  • Drehstromlichtmaschine( wurde nachträglich nötig, da die alte Gleichstrommaschine nicht mehr die 100% Leistung brachte )
  • 1 BMW Ölkühler, der vorne als zusätzlicher Wasserkühler fungiert
  • Zusätzlich zu den reinen Montagearbeiten fielen folgende Spezialanfertigungen an :

  • Anfertigung einer nach aussen gesetzten Motorhaubenschlosshalterung( die Haube lässt sich aufgrund des höher sitzenden Verteilers nicht mehr schliessen )
  • Anfertigung zweier Anschläge für die Motorhaube damit diese nicht nur auf dem Schloss aufliegt und nicht wackeln kann
  • Anfertigung einer Umlenkung zur Ansteuerung des Vergasers
  • Korrektur  der Auspuffkrümmerradien, da sonst der Auspuff unten an die Korrosseriequerverbindung, die das hintere Motorlager trägt, anschlägt
  • Anfertigung einer Halterung für den Endtopf
  • Verlegen und verlöten der zum Frontkühler führenden Kupferleitungen
  • Anfertigung einer neuen Luftzufuhr für den Kühler
  • Im Bereich Motortuning kooperiert Hilgers Motorsport für die Abarth Motoren mit Herrn Wilfried Hundhausen aus Viersen, der seit über 30 Jahren einen Lombardi Abarth fährt, pflegt und tuned. Von ihm aufgebaute Motoren laufen u.a. in der Abarth Coppa Mille und sind leistungsmäßig in ihrer Klasse ganz vorne dabei.

    Herr Hilgers und Herr Hundhausen haben mit meinem Wagen ca. 250km erfolgreiche Abstimmungsfahrten durchgeführt.

    Fazit :

    Ich erhielt einen gut laufenden Wagen zurück. Motor und Bremsen funktionieren super, durch den Zusatzkühler vorne treten keine thermischen Probleme mehr auf. Die Kühlungsproblematik bei aufgerüsteten 600ern, die nicht mit dem großen Abarth Gr.2/4 Front-Küherkasten und großen Wasser- und Ölkühlern ausgerüstet sind ist im Web in den diversen Foren immer ein Thema. Ich denke aber, dass die nun verbaute Lösung für einen Fiat 600, ( das soll das Auto optisch auch bleiben ) recht nahe am Optimum steht.

    Die Leistung des Motors ist, soweit man das in der Einfahrphase beurteilen kann, sehr gut, das Ziel wurde erreicht. Allerdings muss man sich wohl hüten die nun möglichen Fahrleistungen mit denen von ähnlich motorisierten modernen Autos direkt zu vergleichen.Da ich persönlich sonst oft Turboautos fahre, bin ich z.B. in punkto Drehmoment sehr verwöhnt. Mein 61 PS Benziner Smart kommt mir immer noch stärker vor. Allerdings darf man ja auch nicht vergessen, das so ein Oldtimer in Bezug auf  Aerodynamik, Reibungsverluste in Motor und Getriebe/Achskonstruktion meilenweit von den Modernen weg ist.

    Zusammengefasst : Ich bin zufrieden !

    Für mich als Informatiker mit zwar zwei nicht ganz linken Händen und Einsteiger in Sachen Oldtimer, steht jedenfalls fest, dass der Entschluss den Umbau vom Fachmann durchführen zu lassen, der Richtige war. Aufgrund der guten Erfahrungen und dem Gefühl nicht ‚abgezockt’ worden zu sein, werde ich auch zukünftig bei schwierigeren Operationen auf die Dienste von Hilgers Motorsport zurückgreifen.

    Störend ist nur eine Sache, die aber nicht an der Ausführung des Umbaus liegt :

    Der Innengeräuschpegel ist mehr als ‚abarthig’ laut, da sich offensichtlich Resonanzen der Karosserie zum Auspuffsound hinzuaddieren und geschwindigkeitsabhängig ein heftiges Dröhnen hervorrufen. Ich werde daher versuchen die Karosseriewand zum Motorraum hin zusätzlich zu isolieren.

    Als nächstes steht nun die Optimierung des Fahrwerks durch Einbau von einstellbaren Spax Dämpfern, einer gepressten Blattfeder zur Tieferlegung vorne und kürzeren Federn hinten an.

    Ferner suche ich noch etwas schönere zeitgenössische Alufelgen mit passenderer Beeifung.

    Zur Zeit sind 155/70-13 auf einer 5x13 Stahlsportfelge vom Fiat 131 montiert.

    Ein halbes Zoll mehr, etwas weniger Einpresstiefe und ein flacherer Reifen( z.B. 165/55 oder 165/60 ) wären vermutlich besser.

    Potential läge auch noch in der Anpassung der Übersetzung des 4. Gangs, da der Sprung vom 3. recht groß ist. Über eine Verlängerung der Gesamtübersetzung, die oft durch geführt wird, bin ich mir noch unsicher.

    Mittlerweile habe ich rundum einstellbare Osrav Stößdämpfer mit 20mm rebound und an der Hinterachse noch etwas gekürzte Federn verbaut. An beiden Achsen habe ich auf die Felgen des 131 Sport umgerüstet. Da diese in 5 1/2 x 13 an der Vorderachse jedoch zu breit waren und ordentlich rausstanden, wurden sie durch designgleiche Original Fiat Felgen in 5x13 ersetzt. ( Der Unterschied zu den Felgen vorher liegt in der Einpresstiefe und in fehlenden Löchern )

    Ich bin mit dem Auto nun 4 Saisons problemlos unterwegs, was nicht nur für die gute Qualität des Fiats im Allgemeinen sondern auch für den sauber durchgeführten Umbau spricht.

    Um die Wirkung der Sicherheitsgurte zu optimieren, bzw. um sie überhaupt sinnvoll einsetzbar zu machen, steht noch eine Umrüstug der Sitze auf zeitgenössische Sportsitze mit Kopfstützen an. Ferner wäre ein Cockpit im Abarth Stil mit Zusatzanzeigen für Öldruck, Öl-und Wassertemperatur sicherlich sinnvoll. Allerdings sind die für diese Cockpits geforderten Preise recht abschreckend.

    Für nächstes Jahr ist neuer, leiserer Auspuff mit dickeren Krümmern für mehr Durchsatz geplant. Der Sound ist zwar schön, aber auf Dauer unerträglich. Das versteht aber nur Jemand, der schon mal 3 Stunden am Stück mitgefahren ist. Alle Anderen wären froh wenn sie so einen Sound hätten. Schön ist dabei, dass der Superklang nie als störend empfunden wird und ich noch nie Beschwerden oder Probleme damit hatte.

    Bedingt durch die Änderung der Reifengröße von 125-12 auf 155/70-13 ändern sich die in den einzelnen Gängen erreichbaren Geschwindigkeiten und die Tachovoreilung. Bei 100km/h Anzeige beträgt die reale Geschwindigkeit nun 108,4 km/h ermittelt über GPS-Navi ).

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